Von Gärtnern und vom Shouten
Von Andreas Kesberger am 23.11.2008 1 KommentarKategorien: Allgemein
Zu einem der unzähligen Tatortjubiläen – dadurch dass man nach Jahren und Folgen und notfalls auch nach Dienststellen zählen kann, ist für Nachschub ja gesorgt – veröffentlichte Spiegel Online eine Umfrage unter Tatortautoren. Eine Antwort blieb mir haften: Die Überbringung der Todesnachricht an den hepartner zeigt man nur, wenn der oder die benachrichtigte der Mörder ist. Heute Abend war’s wieder die Benachrichtigte. Stimmt also. Das einzige was noch sicherer stimmt im Krimi ist das Image des Fotografen. Gärtner sind ja selten geworden im deutschen Fernsehen. Fotografen nicht. Sobald sie auftauchen ist die Sache klar. Die einzige Rolle, die sie noch öfter spielen müssen als die des Täters, ist die des offensichtlichen Täters, der die Kommissare bis gegen 21:35 Uhr auf die falsche Fährte lockt. Meistens kommt er wegen offensichtlichem Drogenkonsum zur Tatzeit dann doch nicht in Frage. Wo ist eigentlich der Berufsverband der hier einschreitet, wie es in der Vergangenheit den Interessenvertetungen der Franken, der Aleviten und der Pfälzer stets gelungen ist? Nur weil es die Folge „Toter Fotograf im Häcksler“ bisher noch nicht gibt? Nach soviel Anlauf ist es dann hier an der Zeit endlich zur gebrochenen Lanze zu kommen. Die meisten Kritiker haben ja kaum ein gutes Haar am neuen Film von Wim Wenders gelassen. Das Lob für den Soundrack lassen wir mal außen vor, da das im Kino immer so klingt wie „Schöne Rahmen““ auf der Vernissage. Wir könnten natürlich auch von den wunderschön gefilmten Bilder schwärmen, auch wenn man sonst sagt im Kino ja auch gern „fotografiert“ sagt. Doch das würde ja hier nur die Beispielbilder, die an der Wand lehnen, betreffen (selten einen so kleinen Gursky gesehen). Nein, wir wollen etwas ganz anderes hervorheben. Nicht die Bilder vom Fotografen, sondern das Bild des Fotografen selbst. Wir haben zwar ehrlich gesagt keine Ahnung ob er den Alltag eines Starfotografen realistisch zeigt – wir sind nunmal leider keiner -, aber er bemüht sich darum. Und das nicht nur weil seine Frau Donata eine großartige Fotografin ist und er nicht möchte, dass sein Kumpel Andreas Gursky schreiend aus dem Kino rennt. Seltsam, das über die grübelnde tote Hose Campino zu schreiben, aber es ist der erste Film mit einem grundsätzlich positiven Fotografenbild, den wir kennen. Wobei man es natürlich auch positiv sehen kann, wenn ein Werbetreibender vor lauter übermannender Erotik im bekanntesten aller Fotografenfilme „Blow Up“ nicht mehr in der Lage ist zu fotografieren. Ein bis zwei haben dann ja ihren Spaß gehabt. Was Campino leider nicht vergönnt war. Wozu aber die paar Monochrom Schachteln, die im Hintergrund von Palermo Shouting herumstehen, auch nichts können. Vielleicht standen wir sogar bei den Credits, aber die waren einfach zu klein und zu schnell. Was jetzt vielleicht auch an der kleinen Leinwand lag. Wie man an der sieht, gucken also leider wieder mehr Leute Tatort als Wenders. Wird also wieder nichts mit dem Image Wechsel. Nicht für die Fotografen und leider ebenfalls nicht für das im Film Mafia-freie Palermo. Was ja auch völlig realistisch ist…
Der Strahl
Von Andreas Kesberger am 16.11.2008 0 KommentareKategorien: Allgemein, Verarbeitung
Das Wesen der Gattungsbezeichnung in einer Fotoausstellung treibt meistens sein Unwesen. Während der Künstler sich an der Wand austobt, kann der Kurator wenigstens beim Titelschildchen seiner Kreativität freien Lauf lassen. So wie Fotografen sich untereinander unterhalten, falls sie denn Schalter für das Rotlicht noch kennen, würden sie nie untertiteln. Statt „Baryt“ oder „PE“ steht dann doch lieber „Silbergelatineprint“ unter der Fotografie. Da viel meistens viel hilft, arbeitet man auch gerne mit „Bromsilbergelatine“, ohne sich groß zu fragen ob da jetzt wirklich Brom für Ruhm sorgt oder doch Chlor oder letztlich eigentlich nur das Silber. Hmh, wir wissen es nicht und der Fotograf weiß es meistens noch weniger. Das ist alles oft ärgerlich und nicht neu. Doch seit der Triennale der Photographie in Hamburg im Frühjahr hat uns das fotografisch so traditionsreiche Museum für Kunst und Gewerbe bei einer Ausstellung von Karin Székessy unsere noch immer bestehende Lieblingsgattung beschehrt. An die „richtig schönen“ Fotos, Akte, Stillleben, Landschaften und Portraits, die sich eine liebhabende – eben amateurhafte im positiven Wortsinn – Begeisterung an der Fotografie erhalten haben, können wir uns kaum noch erinnern. Doch an das was unter den Bildern stand schon. Denn ab dem dritten Bild wurde der Betrachter von der Gattung in den Bann gezogen. Da stand auf dem Schildchen schlicht „Tintenstrahl“. Kein Druck, kein Print, kein Papier, schon gar kein Foto. Ein Strahl. Ein Tintenstrahl. Von wo er kommt und wo er endet? Wir wissen es nicht. Ist das nicht nah am Menschheitsstraum, nicht nur mit Licht zu schreiben, sondern gleich einen Sonnenstrahl einzufangen. Mit Tinte geht das wohl. Und da es ja nur dieser eine Strahl ist, kann er im Lauf seines Seins auch noch die Farbe ändern und schon ist er Bild geworden, der Tintenstrahl. Und so strahlt der Betrachter denn auch. Doch die Ausstellung bot noch mehr Innovationen, wie große Tableaus, die da „Tintenstrahl auf Textil“ waren. Sein sollten. Demnächst dann vielleicht auch „Sonnenstrahl auf Jeansjacke“ oder gleich „Rotweinfleck auf Tischdecke“. Aber das ist dann wohl ein anderes Thema. Die daneben hängenden Fotografien waren dagegen nur „Silbergelatine“, dabei könnten sie doch auch Emulsionsguss sein. Genau wie der bunte Nachbar, aber der ist dann plötzlich ein „Colorprint“, natürlich ohne etwas mit Druck zu tun zu haben. Das haben schließlich schon die „Lichtdrucke“ und wunderschönen „Heliogravuren“, die wir selbst dann auch nicht anders bezeichnet hätten. Und schon traf uns wieder der „Tintenstrahl“. Als Sammler hätte uns natürlich interessiert ob dieser aus Strahl aus Pigmenten oder Farbstoffen besteht. Da Restauratoren schon seit langem fordern, dass Künstler gerade bei digitalen Medien ihre Arbeiten genaustens dokumentieren, könnten sich die Museen im Zuge dieser Entwicklung vielleicht dann doch auf einheitliche Verfahrens- und Materialbeschreibungen einigen. Aber im Vergleich zu „Mit Epson 4800 und K3-Ultrachrome-Tinte auf Monoprint Arles Plus gedruckter Inkjet Piezo-Pigment-Print“ klingt „Tintenstrahl“ dann doch poetischer. Wenn er einen und es dann trifft.
Suchen Sie uns auf der photokina
Von Andreas Kesberger am 02.11.2008 0 KommentareKategorien: Photokina
So eine Messenachbereitung ist eine feine Sache. Nutzen wir den Monofotoblog einmal zur etwas anderen Messenachbereitung. Sinn und Zweck einer Messe ist, dass man mit den Menschen spricht. Mit Menschen, die noch keine Kunden sind, aber es werden wollen und mit Menschen die schon Kunden sind und es bleiben sollen. Dazu lädt man Sie ein: „Besuchen Sie uns auf der photokina!“ So kann es kommen. Es kam anders. Wenn überhaupt jemand kam. Öffnen wir also ein wenig das Messenähkästchen zum Plaudern.
Bevor eine Messe beginnt, macht die Messegesellschaft einen Plan. Auf dem standen wir Anfang des Jahres in Halle 10. Friedlich vereint mit Ilford und Hahnemühle, und dem alten und neuen Profi-Foto-Adel von Schneider und Linhof bis Leaf und Phaseone. Super Halle. Dachten wir. Als es Anfang September dann noch einmal darum ging, wo denn jetzt die Monoprint- und wo denn jetzt die Subjektiv-Wand unseren Stand schmücken sollte, forderten wir noch einmal einen Hallenplan an, um die nähere Umgebung auszuloten. Abra Kadabra, simsalabim, war die Halle plötzlich zu einer reinen Inkjet- und Laborhalle geworden. Nicht dass wir uns in diesem Umfeld nicht wohl fühlen würden, aber letztlich war uns dass dann doch zu reduziert. Und wir wären ja doch schon gern über die neue Struktur informiert worden. Wie das so ist, hat in solchen Fällen der zuständige Mitarbeiter leider das Haus mittlerweile verlassen. Und zwar nicht nur zur Mittagspause. Aber so eine Messeleitung ist flexibel und dynamisch, also gibt es am Telefon Aussicht auf einen Platz in Halle 2.1, ganz in der Nähe von Zeiss und Alpa. Da freut sich das Subjektiv schon. Drei Tage später ist der Platz weg. „Von Halle 2.1 war nie die Rede.“ Was wir uns an dieser Stelle einfach mal nur merken wollen. Also Halle 3.1 mit Bauchschmerzen. Im Umfeld ist Shen Hao fast noch die edelste Adresse, aber vielleicht hilft ja der Durchgangsverkehr. Wenn der Durchgang sich auch mehr über uns abspielt – schließlich toben sich dort Canon und Panasonic aus -, gibt es ja immer noch die Möglichkeit, Monochrom zu suchen. Fangen wir mit unserer Schnitzeljagd an. Der Katalog weist uns unter dem Stichwort Monochrom in Halle 10.1 aus. Da sind wir nicht, da ist nur eine Ruhezone. Die Messe verspricht uns täglich dort einen Verweis auf unseren richtigen Stand aufzuhängen bzw. es schon gemacht zu haben, aber erst am vierten Tag, kommt zu den unter FineArt-Printing-Gesichtspunkten wohl edelsten Hinweisschildpapier der photokina – Monoprint Avignon Smooth, was anderes hatten wir in A2 nicht dabei – noch das Laserzettelchen der Messe dazu. Solange die noch nicht hingen, kann sich der geneigte Besucher dort ja dem Katalognachtrag mit den Änderungen widmen. Schade nur dass wir dort nicht erwähnt sind. Also auf zur Infotheke: In 80% der Fälle – haben unsere Feldstudien ergeben – endet die Anfrage so: „Monochrom? Die sind nicht hier!“ Eine besonders clevere Mitarbeiterin kann uns allerdings direkt in Halle 3.1 schicken, da sie die Email-Adrese der ominösen Mono-C GmbH mit Monochrom in Einklang gebracht hat. Auf zu Halle 3.1. Dort stehen wir auch mit Standnummer im Register des Hallenplans. Allerdings nicht im Hallenplan selbst. Dort ist das Feld frei. Vielleicht weil die Buchstaben alle waren. Später sehen wir, dass wir nämlich auch im Hallenplan von 2.1 eingezeichnet sind. Obwohl davon ja „nie die Rede“ war und dort jetzt Epson mit Nintendo spielt. Was dann letztlich auch die Messeleitung von der „suboptímalen“ Organisation überzeugt. Daraufhin bekommen wir für zwei Tage vor Ort eine Theke und eine Wand mit Ausdrucken vom und für’s Subjektiv zur Verfügung gestellt. Was freien Blick auf das Brennersche Body-Painting gewährt und uns trotzdem etwas milder stimmt. Angesichts der Umstände war es sicherlich keine gute Idee, was uns ein Ehepaar am Sonntag erzählte. Die beiden hatten sich samstags getrennt mit dem Satz: „Wir treffen uns dann nachher bei Monochrom.“ Das hätte für immer sein können, aber zum Glück gibt es ja heute Handys. Und was das alles mit dem Foto oben zu tun hat? Das beste an unserem Stand in Halle 3.1 war der täglich heitere Blick auf das Logo
