AUS-BELICHTET
Von Andreas Kesberger am 17.02.2009 0 KommentareKategorien: Allgemein
Jetzt ist sie tot. Aus und vorbei. Es war nicht zu erwarten, dass mich das ausgerechnet jetzt und hier ereilen würde. Ist Moabit ein guter Ort zum Sterben? Zumindest ein Ort an den es passt. Die Turmstraße sowieso. Hier steht das Gerichtsgebäude, in dem sie sich seit Urzeiten verantworten müssen. Ob sie jetzt der Hauptmann von Köpenick oder der Staatsratsvorsitzende waren. Da kommt das Endzeitige von ganz alleine.
Aber hier geht es jetzt nicht um Hauptmänner und Schießbefehle. Hier geht es um Kunst. Zumindest erst mal. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie schnell ein Kunstwerk seine Wirkung verändern kann, nur durch den Umstand, dass inzwischen Zeit vergangen ist. Wofür der Künstler ja nicht einmal was kann. 2002, in dem Jahr, in dem die Serie „sense revelar“ von Isabel Banal (jetzt aber bitte keine Scherze mit Namen) entstand, war es noch ein raffiniertes Werk, das sich mit unserer Form der Erinnerung und der Beteiligung der Fotografie daran befasste. Belichtete Kleinbildrollen, die nach der Reise eben nicht entwickelt wurden und jetzt in weißen Distanzrahmen statt der Fotografien ausgestellt werden.
Die Kästen sind Teil einer Gruppenausstellung im Kunstverein Tiergarten in Berlin: „Quẽrformat – Landschaften in der Perspektive zeitgenössischer KünstlerInnen“, eine trotz des gimmickhaften „ẽ“ im Titel (fragt eigentlich niemand, wieviel Schaden der Volkswirtschaft durch das langwierige Suchen nach Sonderzeichen entsteht?) und der Gendercorrectness im Untertitel intelligent von Ralf F. Hartmann kuratierte Zusammenstellung (noch bis zum 14. März im Kunstverein Tiergarten – ganz aktuell dann hier auch noch der werbende Hinweis auf eine Gesprächsrunde mit dem Landschaftsarchitekten Winfried Richard am Mittwoch den 18.2. um 20 Uhr).
Vor sieben Jahren hätte ich mich mit der Intention noch auseinandergesetzt, vielleicht Zusammenhänge zu der Polaroid-Arbeit von Andreas Müller-Pohle (Trennblatt Polas, die erst nach der Rückkehr auseinandergezogen wurden) gesucht und diskutiert. Aber jetzt kommt man in diesen Raum und sieht einfach nur noch einen Abgesang auf die Analogfotografie. Die Patronen stehen da wie Grabsteine auf dem Friedhof. Vielleicht sind sie auch nicht entwickelt, weil es sich gar nicht mehr lohnt. Haben Sie auch noch eine Kompakt-Viert-Kamera mit eingelegtem Film zu Hause? Ich schon. Ist ja viel zu schade zum Wegschmeißen. Letzte Woche habe ich ihn „voll gemacht“ (auch so eine Formulierung die ausstirbt). Die ersten Bilder darauf waren von Ostern 2007.
Und jetzt steht man in Moabit und fragt sich unweigerlich, wie lange die Betrachter überhaupt noch wissen werden, was da ausgestellt wird. Doch das schöne an der Fotografie im allgemeinen und unserem Umbruchjahrzehnt im speziellen ist ja, dass man sich ebenso schnell und überzeugend einreden kann, dass wahre Fotografie nur analoge Fotografie sein kann. Gestern Abend beim Wühlen in alten Negativen, die leider doch nicht ganz so sorgfältig beschriftet abgelegt waren, wie es eigentlich sein sollte, da war es wieder soweit. Geht ganz schnell. Das Wühlen hat einfach Spaß gemacht, ein Spaß den das genervte Abklappern von Dateien einfach nicht so bietet (falls sie nach zehn Jahren überhaupt noch lesbar sind). Vielleicht ist die Fotografie doch nur dann tot, wenn sie nicht entwickelt wird.
Wer wird den gleich (Photo-) schwarz sehen?
Von Andreas Kesberger am 08.02.2009 0 KommentareKategorien: Allgemein, Laden Berlin, Verarbeitung
Der Epson 7900
Wir sagen es mal sicherheitshalber vorher. Wir drucken fast ausschließlich und mit ehrlicher Begeisterung mit Epson Druckern. Erst recht, seit wir auch einen Canon Large Format Printer haben. Und daher verkaufen wir auch mit der gleichen Begeisterung Epson Drucker. Das werden wir in Zukunft auch tun. Aber manchmal kann auch ein ganz normaler Drucker soviel Nerven wie ein Niagara System kosten.
Wenn man in Sachen Papier und Tinte an der FineArtPrinting-Front aktiv ist, dann gehört dazu auch modernste Technik. Das modernste vom modernsten ist derzeit der Epson 7900. Auf der Drupa im Mai 2008 war er schon fertig genug, um gezeigt zu werden, auf der Photokina sah er dann schon richtig nach Serie aus. Und das Epson auch richtige Photoingenieurinnen mit Ahnung statt orientierungsloser Hostessen an die Geräte stellte – nochmal danke für’s Zeigen und viele Grüße nach Frankreich -, gab Hoffnung, dass man es in Japan und Meerbusch richtig ernst mit der Kiste meint. Nur der Liefertermin schwebte noch leicht im Ungewissen. Also haben wir vorbestellt, November gehört und Januar geglaubt. Dabei ist Vorbestellen gar nicht so einfach, wenn man gar nicht weiß was ein Gerät kostet. Aber es soll ja Autohersteller geben wo das genauso läuft. Oder lief. Damals vor der Krise.
Doch dann ging es plötzlich ganz schnell im November. “Sie kommen heute”. Dann noch mal schnell bestätigt, dass wir die Version mit dem eingebauten Farbmesssystem wollen. Freitags um 17.00 Uhr auf die AB geguckt. Es war natürlich die Version ohne. Haben Sie schon mal freitags um 17.00 Uhr versucht, einen automatisierten Ablauf in einem deutschen Unternehmen zu stoppen? Eben. Es gibt ja Stimmen, die behaupten, das wäre in deutschen Verwaltungen am gleichen Wochentag um 13 Uhr noch schwieriger. Für die nicht eingeweihten: das ist ein Drucker, den man lieber zu viert als zu dritt trägt. Für den noch größeren 11880 hatte eine Epson Landesvertretung seinerzeit sogar eine Bedienungsanleitung für das Treppe-Hochtragen publiziert. Doch an das Treppe Hochtragen war bei uns noch nicht zu denken. Der Spediteur konnte seine Palette wieder mitnehmen. Natürlich garniert mit entsprechend begeistertem Gesichtsausdruck. Der Distri schickte den zweiten Drucker mit “Meschertuhl” auf die Reise und wir waren’s zufrieden.
Theoretisch. Ausgepackt, hochgeschleppt, aufgestellt. Wenn man selbst Händler ist, kann man ja nicht den Einrichtungsservice des Händlers in Anspruch nehmen. Eigentlich schade. Wobei man, wenn man so viele 3800 und R2880 wie wir verkauft und das weiter möchte, ist es bei der seltsamen Epson-Eingruppierung gar nicht möglich den 7900 mit Installationsservice anzubieten, da wir dann jeden 3800 mit dem gleichen Service anbieten müssten, um weiter einen Rabatt zu erhalten. Das versteh’ wer will und ist vielleicht mal Thema für einen eigenen Blog oder vielleicht für eine Änderung in Meerbusch im neuen Geschäftsjahr. Egal. Selbst ist der Mann oder die Druckingenieurin. Wir haben in unserem Leben ja schon den ein oder anderen Drucker installiert. Start. Warnung: “Schalten Sie den Drucker nicht aus, während die Zuleitung beginnt” Aber wann beginnt die Zuleitung? Die Patronen sind drin. Die Kiste ist an. Aber es passiert erst mal nicht viel. Aber doch zumindest soviel, dass wir uns ab jetzt nicht mehr trauen, ihn auszuschalten. Für die nächsten fünf Wochen.
Das Display zeigt nämlich Cartridge Error und unten rechts steht »Photo Black«. Das haben wir sehr lange nicht mehr gelesen, aber kennen es doch noch von früher. Normalerweise tauscht man dann einfach die Patrone und los geht’s. Hier geht erst einmal gar nichts los, da der Drucker vermutlich der erste seiner Art in Berlin ist und weder wir wir noch die lieben Kollegen auch nur das kleinste Tröpfchen Tinte dazu am Lager haben. Aber da der 7900 der erste Epson-Printer in unserem Besitz ist, der nicht mit vollen Patronen ausgeliefert wird – wär’ ja auch total unfair gegenüber dem 7880 -, bestellen wir auch gleich brav einen ersten vollen Satz. Der ist welch Wunder sogar lieferbar. Also die Schwarzpatrone ausgetauscht und los? Nö. Nix los. Für was hat man da den Epson VorOrt-Service. Der weiß auch nicht wirklich weiter. »Haben Sie vielleicht die Matte Black statt der Photo Black eingesetzt?« Wir dachten zwar eigentlich, dass lesen schon zu den Grundvoraussetzungen der Druckerbedienung gehört, aber das sieht man an der Hotline wohl anders. Vor allem wenn man die Drucker selbst nur vom Lesen kennt. Zur allgemeinen Verständigung malen wir sogar das Display ab, was zum einen zugegebenermaßen etwas anachronistisch ist (wir wollen ja gerade drucken um nicht malen zu müssen) und zum anderen im weiteren Verlauf noch wichtig wird. Wir kriegen einen Rückruf versprochen. Und nochmal und nochmal. Wir sind ja auch nicht immer leicht zu erreichen. Nach einer Woche beschließt der Epson Helfer vom VorOrtService dann, dass es der Abtaster oder wie auch immer das Ding heißt für den Chip auf der Patrone sein muss. Das Ersatzteil muss er aber erst bestellen. Japan ist weit.
In der Zwischenzeit schaltet sich unser zuständiger Epson-Vertreter noch ein. Mittlerweile hat man wohl ein paar mehr Menschen mit nicht druckenden 7900ern am Telefon gehabt und da hätte immer schütteln geholfen. Ähem, was bitte? Die Patrone oder den Drucker? Dass Pigment-Tinten vor dem Einsetzen in einem quasi-religiösen Regentanz geschüttelt werden wollen, hat sich zu uns schon herumgesprochen. Um den Drucker zu schütteln, fehlen uns aber die Muckis. Doch soll keiner sagen, wir wären nicht kooperativ. Also geschüttelt, nicht gerührt und eingesetzt. Und nix. Also zwei Wochen warten auf’s Ersatzteil. Termin absprechen und vier Tage vor Weihnachten ist der Drucker Heilmacher dann da. Kommt aber auch erst mal nicht weiter und telefoniert mit dem Service. Doch dann schleicht sich langsam der Zweifel ein, warum denn die Gelb-Patrone grau unterlegt ist (»Haben Sie das Display denn auch farbig abgemalt?«). Die Angabe »Photo Black« beschreibt nämlich nur den Modus in dem der Drucker arbeitet. Das muss man erst mal wissen. Wie er jetzt auf nicht erkannte grau Patronen hinweist, wissen wir immer nicht und wollen es erst einmal auch nicht wissen.
Der Rest ist einfach. Der Chip der ersten Gelb-Patrone war defekt und mit der zweiten ging es dann. »Wieviel haben Sie denn schon damit gedruckt?« Der arme Mensch schaut nur in fassungslose Gesichter. Nichts! Seit fünf Wochen. »Dafür sind sie aber noch erstaunlich gelassen.« Es geht doch nichts über ein gutes Betriebsklima. »Normalerweise merkt man an der Stimmung vor Ort eigentlich ganz schnell wie lange der Drucker schon steht.« Es kann nur besser werden.
Und seitdem wurde es besser. Mittlerweile druckt er wie am Schnürchen. Daher wagen wir dann auch am Samstag, 28. Februar bei uns in Berlin die Vorstellung mit einem Epson Demotag. Was taugt der SpectroProofer? Ist der Farbraum wirklich größer? Löst der neue Druckkopf wirklich besser auf? Eben Antworten auf all die Fragen, um die man sich kümmern kann, wenn ein Drucker erst mal druckt. Und mit 700 ml Tintentanks hört er auch so schnell nicht wieder auf. Schließlich spritzt hier voll bestückt die 84fache Tintenmenge eines R2880. Womit dann hiermit unser Printservice auch feierlich auf Formate wie 60×90 cm erweitert ist.