Hier kommt Alex
Von Andreas Kesberger am 16.03.2009 2 KommentareKategorien: Ausstellungen, Laden Berlin
Man gibt es nicht gerne zu. Ist ja verpönt. Es kann schon auch Spaß machen, über Technik zu diskutieren, ganz wurscht ob es dann eher zum Schwadronieren wird. Vermutlich würden wir ohne das ganze Geraune drumherum heute immer noch mit Steinheil Objektiven auf Glasplatten fotografieren. Anstatt dem entschiedenen »Kann ich mal gucken?« mit dem Kinder heute auf die Kamera nach dem Klick zulaufen, gäbe es nur ein entsetztes »Papa, musst Du schon wieder das Dunkelkammerzelt aufbauen?«. Muss Papa nicht mehr. Auch schön.
Wahrscheinlich war das im 19. Jahrhundert nicht anders. Die einen testeten Tag und Nacht Entwicklerkombinationen, die anderen fotografierten. Die einen hatten danach ein Foto, die anderen wussten zumindest wie sie eins hätten optimal machen könnten. Wir finden zwar nach wie vor, dass eine Gesamtansicht des Kölner Doms mit einem Handy nicht so wahnsinnig viel Sinn macht, wenn als Ergebnis ein gerahmtes Bild herauskommen soll, aber sehr, sehr oft ist die Technik völlig nebensächlich. Es geht ums richtige Sehen und es geht noch viel mehr ums Machen. Die Konsequenz. Angesichts einer Ansel Adams Ausstellung kann man sich vielleicht noch herausreden, dass die 8×10″ zu schwer für den Flieger war, aber bei der aktuellen Ausstellung bei uns kann man das nicht mehr.
Christian Reister hat »ALEX« ganz banal mit einer Kompaktkamera fotografiert. Immer und immer wieder. Auch der Ort ist alles andere als besonders einfallsreich. Der Alexanderplatz. Nicht schon wieder. Gähnen im Auditorium. Fragende Gesichter bei den Kollegen. Nur mit der Knipse. Nicht mal RAWs. Aber dann hängen die Bilder an der Wand und es funktioniert. Heraus kommt ein Bild von Berlin im Jahre 20 nach dem Mauerfall, das vielleicht realistischer ist als alles andere was wir noch bis zum November sehen werden. Es steht zumindest zu befürchten.
Natürlich sieht man den Bildern den professionellen Hintergrund des Fotografen trotzdem an. Die Farbstimmung ist bei den Urlaubsbildern meiner Mama eben nicht so einheitlich. Sie würde bestimmt auch kein Korn drüberlegen. Womit wir spätestens jetzt das zweite Igittigitt der Puristen ausgelöst haben. Aber am allerwichtigsten bleibt die Konsequenz. Dieses am Thema dran bleiben. Auch wenn es weh tut. Es lohnt sich. Im Alex’chen Sinne: Na denn prost!





