Film ist back oder HighEnd is not the End
Von Andreas Kesberger am 30.04.2009 3 KommentareKategorien: Aufnahme, Laden Berlin, Thementage, Workshops
Für alle die nicht am Samstag da waren, kommen wir jetzt endlich zur Auflösung in Sachen Auflösung. Bei unseren letzten Digital-Analog-Vergleichen hatte sich eigentlich immer gezeigt, dass bei gleichem Format und gleichen optischen wie mechanischen Voraussetzungen der Sensor dem Film überlegen ist. Allerdings hat uns der extrem hoch auflösende Rollei ATP 1.1. als Rollfilm die Hoffnung gemacht, dass der Film vielleicht auch mal zurückschlagen könnte. Mit der Vorstellung des Phaseone P65+ waren diese Hoffnungen allerdings deutlich zusammengeschrumpft.
Am letzten Samstag haben wir dann getestet. Es ist ist ja ziemlich illusorisch zu glauben, dass man in Berlin Mitte samstags um 10.30 Uhr bei angekündigten 25° im Schatten auch nur einen müden Fotografen zur Teilnahme unter seinem Federbett herauslocken könnte. Na ja, falsch. Einen schon. Und noch einen und noch einen. So haben wir dann erst eine Architekturaufnahme der Elisabethkirche – das ist die von Hottes letzter Rede zur Rucklage der Nation – und dann noch von der Ackerhalle innen gemacht. Dazu noch ein Portrait. Da sich mit Frank Silberbach dankenswerterweise ein Fotograf zur Verfügung gestellt hat, haben wir das bei Dauerlicht sogar mit 1/8 bis 1/30 (40 ASA-Film) scharf aufnehmen können.
Ich mache es mal weiter spannend. Erst einmal ist das Aufnehmen mit dem Digiback auch parallel zum Film ein Genuss. So lässt sich überprüfen ob die hellen weißen Tischdecken schon ausfressen oder noch im Kontrastumfang drin liegen. Und auch die Schärfenachkontrolle war der Mattscheibe mit Lupe deutlich überlegen.
Dann haben wir digital geRAWt und analog geschüttelt, gescannt (3x mit 6300 ppi Kleinbildmaske mit Hasselblad 646 – anschließend gestitcht – mit den 3200 ppi der Mittelformatmaske hätten wir diesen Vergleich sofort beenden können). Ab 16.00 Uhr lagen dann die Prints (60×90, Epson 7900 auf Monoprint Rochester Plus) auf dem Tisch. Erst mal nur vom Digiback. Und lösten unter den mittlerweile eingetrudelten Fotografen völlig zurecht ziemlich begeisterte Kommentare aus.
Die Filme brauchten länger. 3 Scans à 20 Minuten sind das eine. Die Dauer des Stitchvorgangs das andere. Dummerweise wandelt Photoshop beim Stitchen die 16bit-Graustufen-Dateien in Farbe um und hantiert dann mit 3x 800 MB. Das dauert. Mit den Ebenen lässt sich das anschließend gar nicht abspeichern, weil zu groß. Aber nicht jammern – drucken!
Dann kam kurz vor Toresschluss der erste Print aus dem Drucker. Und? Ich würde mal sagen, er ist mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar schärfer. Gerade der Hauch von Korn erzeugt subjektiv mehr Schärfe. Mindestens. Natürlich sieht man das nur, wenn optisch alles stimmt (Alpa 12 SWA mit Schneider Apo-Digitaren). Natürlich gilt dies nur für diesen ultrahochauflösenden Dokumentenfilm mit passendem bildmäßigen Entwickler (Rollei ATP DC) und nicht für einen beliebigen 100 ASA-Film. Natürlich ist das Filmformat (6×9) hier noch doppelt so groß wie das Sensorformat (6×4,5). Und natürlich waren beide Ergebnisse nicht ohne Tücken: Beim ersten Digiback-Bild sieht man noch Dreck auf dem Sensor, während der Film ein paar Entwicklerfehler und Kalkflecken aufweist, die daher kommen, dass wir nicht mit destilliertem Wasser, stärker verdünnten Fix und Netzmittel gearbeitet haben. Gut dafür gibt s Bedienungsanleitungen, der muss man halt lesen. Unser Testfilm war da nicht so zickig und wuups ist es passiert. Aber trotzdem: In dem Bereich der Schwarzweiß-Fotografie vom Stativ aus, kann man durchaus für 4,90 € Ergebnisse erzielen, die digital 30.000 € kosten.
Die Beispielbilder liegen weiterhin in der Ackerstaße aus. Die sagen auch wesentlich mehr aus als die Ausschnitte, bei denen die Digitaldaten durch ihre Sauberkeit zum Teil auch wieder gewinnen. Aber selbst der kleinste Ausschnitt ist noch runtergerechnet. Darum lieber vorbeikommen und selber gucken.
Bis denne.
- Alpa 12 SWA mit Apo-Digitar 5,6/35
- Rollei ATP 1.1 mit Alpa 12 SWA und Apo-Digitar 5,6/35 XL
- Alpa 12 SWA mit Apo-Digitar 5,6/35
- Rollei ATP 1.1. mit Alpa 12 SWA und Apo-Helvetar 5,6/48
- Alpa 12 SWA mit Apo-Helvetar 5,6/48
- Rollei ATP 1.1 mit Alpa 12 SWA mit Apo-Digitar 5,6/72
Die Lösung der Auflösung – mal wieder
Von Andreas Kesberger am 24.04.2009 0 KommentareKategorien: Aufnahme, Laden Berlin, Thementage, Workshops
Jetzt geht die Pixelzählerei wieder los. Um nicht gleich noch einen anderen Begriff einer lieben Kollegin zu verwenden, der auch mit Pixel anfängt, aber dann etwas derber weitergeht und irgendwas mit Edgar Wallace zu tun haben scheint. Ist natürlich alles quatsch. Macht aber irgendwie trotzdem Spaß. Das Zählen. Bei unserer letzten Hausmesse „Digilog” hatten wir ein fröhliches Vergleichsbelichten mit Filmen und Rückteilen, aber am Ende des Tages (wie der Deutsche mittlerweile sagt), besser am Ende dreier Tage hatte sich vor allem gezeigt, dass die Erkenntnis der Hausmesse zwei Jahre vorher, wonach Digital immer mindestens so gut wie das nächst größere Filmformat ist, immer noch stimmt. Nur der Abstand war durch die Weiterentwicklung noch größer geworden. Wobei wir ausdrücklich betonen möchten, dass diese Pixel- und Körnerzählerei nur stimmig ist wenn wirklich alle optischen und mechanischen Faktoren erstklassig sind und nicht ins Vergleichsergebnis eingreifen. Weswegen wir nur mit Alpa testen und vergleichen. Wenn schon denn schon.
Allerdings gab es damals einen kleinen tapferen Film, den Gigabitfilm, der – so ganz nebenbei in der Zeiss Ikon mitgelaufen – sich in der Kleinbildversion durchaus auch für höhere und größere Aufgaben empfohlen hatte. So standen wir vor den Vergrößerungen und überlegten, wenn man den jetzt als Rollfilm hätte, könnte ja unter Umständen die analoge Fotografie erstmal wieder zurückschlagen und besser als digital sein. Hätte, wenn und laber, aber mittlerweile gibt es diesen Film – ein Guss von Agfa – als Rollei ATP 1.1 auch als Rollfilm. Da können wir das doch mal ausprobieren. Was wir morgen auch tun.
Allerdings wird die Fragestellung dadurch erschwert, dass aus den 39 Megapixeln von 2007 mittleile bei Phaseone 65 Megapixel geworden sind. Viel Feind – viel Ehr. Wir werden sehen. Morgens wird belichtet. Danach entwickeln wir die Filme und scannen sie mit 6.300 ppi und jagen dann die gestitchten Vergleichsdateien in 60×90 cm durch den Epson 7900. Ungestitcht wäre der Hasselblad Scanner bei Rollfilm viel zu schlecht für den Vergleich. Was dann ja auch schon mal eine Aussage ist.
Los geht es morgen am Samstag (25.04.2009) um 10.30 Uhr bei uns in der Ackerstraße. Die Ausdrucke gibt es vermutlich gegen 17.00 Uhr zu sehen. Was natürlich immer besser ist, als danach meine unvermeidlichen schlauen Kommentare hier im Blog zu lesen. Wir sind selbst sehr gespannt. Das P65+ gibt es natürlich den ganzen Tag zu sehen. Und ganz nebenbei noch die Weltpremiere der neuen Acolens Software, die jetzt auch Bildfehler bei Shiftkameras quasi im gesamten Bildkreis herausrechnen kann.
So jetzt muss ich aber noch unseren Workshopraum freiräumen und ein paar Testfilme belichten. Bis morgen. Beim Pixelzählen.
Das Papier, die Finger und die Nase
Von Andreas Kesberger am 14.04.2009 0 KommentareKategorien: Katalog
Wenn Sie dieser Tage zufällig in Kassel oder Berlin an einer offenen Tür zu einem Monochrom Besprechungsraum vorbeikommen, sehen Sie vermutlich menschliche Wesen bei seltsamen Tätigkeiten. Sie stecken ihre Nase in Kataloge. Im übertragenen Sinne mag das bei einem Versandhandel ja sinnvoll sein, aber im wörtlichen ist das dann eher gewöhnungsbedürftig. Ja, wir riechen auch an Katalogen. Wer einmal eine PROFI FOTO in der S-Bahn von ihrer Plastikhülle befreit hat, weiß was ich meine. Da kann man dann ausnahmsweise nur hoffen, dass jemand mit einem Döner in der Nähe sitzt, auf dass es nicht nur mehr nach Druckmaschine riecht (auch wenn das ja besser geworden sein soll).
Mit jeder Besprechung landen neue Papierproben und Musterkataloge auf dem Tisch. Das hat die Monochrom-Kataloge im Laufe der Jahre zu einem ständigen Schaulaufen der deutschen Papierwirtschaft gemacht. Wobei die Reaktionen dann meistens an F.K. Waechter erinnern: http://www.amazon.de/Wahrscheinlich-guckt-wieder-kein-Schwein/dp/3257004842 . Was andererseits auch wieder schön ist, da die Produkte und von mir aus auch die Fotos und Texte davon und darüber schließlich das wichtigste sind.
Im letzten Hauptkatalog wollten wir uns einmal etwas gönnen und sind auf besonders edles, voluminöses, mattes Munken-Papier gewechselt. Das Aufschlagverhalten ist großartig. Der ein oder andere hat das sogar gemerkt. Aber genauso gab es Reaktionen wie: „Na gut, wenn Sie die Kosten senken wollten, dann kann man das ja verstehen.” Senken? Was mattes Papier gleich ausmacht. Solche Maximaldichten schaffen Sie sonst nur, wenn Sie die falsche Schwarzpatrone im Drucker benutzen. Aber Altpapier soll es eigentlich erst mit dem neuen Katalog werden.
So wollen wir dieses Blogbuch einmal in eigener Sache benutzen, in der Hoffnung, dass sich eine Papierdiskussion entspannt. Oder ist Ihnen das eh alles egal? Weil Sie ja doch nur alles online bestellen und sogar Blogs lesen. Lieber glänzend verkaufig weil wir ja schließlich Fotografen sind oder lieber edel matt wie ein feiner Passepartoutkarton?
Und warum das alles jetzt? Der Frühjahrskatalognachtrag kommt gerade aus der Druckerei. Zum Nase rein stecken.








