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    Komm ich heut nich…

    Von Andreas Kesberger am 20.12.2009 0 Kommentare
    Kategorien: Allgemein, Laden Berlin

    Wenn wir vor lauter Krise immer und überall mal Zeit haben, uns auch mit anderen Problemen zu beschäftigen, ist immer öfter auch der Praktikantismus. Da drehen dann die Redaktionen mit Hilfe Ihrer Praktikanten kleine Stücke über arme Praktikanten, die so lange ausgebeutet werden, bis sie via Zeitvertrag zur Lebensabschnittsanstellung selbst ihre Praktikanten ausnutzen können.

    Das trifft natürlich nie für die zu, die sich darüber beklagen. Also für uns auch nicht. Längere Praktika haben wir bisher stets im Rahmen von Fördermaßnahmen angeboten, die dem armen Praktikanten zumindest einigermaßen eine finanzielle Gegenleistung bieten.

    Aber hier soll es gar nicht um solche Praktika gehen, sondern aus aktuellem Anlass um die bisher stets von uns geschätzten Schülerpraktikantinnen. Es waren meistens hoch motivierte und fleißige junge Damen, die zwei oder drei Wochen uns belebt und geholfen haben und dabei hoffentlich auch was für’s Leben gelernt haben. Ein paar Kleinigkeiten haben wir auch gelernt, zum Beispiel, dass man als Chef erst nach Befragung der anderen Mitarbeiter das Zeugnis schreiben sollte – weil manche sich eben nicht von jedem Aufträge geben lassen – und dass man nie zwei Praktikanten gleichzeitig haben sollte, was noch mal verschärft für Raucher gelten sollte. Aber von solch kleinen Einschränkungen abgesehen, waren wir immer zufrieden und hin und wieder sogar nachhaltig begeistert.

    Bis vor ein paar Wochen wieder mal das Telefon klingelte. Die Stimme fragte etwas unbeholfen nach einem Praktikumsplatz im November. Die Stimme habe ich dann zu einer kurzen Vorstellung eingeladen. Weder habe ich den Namen verstanden, noch das Geschlecht identifizieren können, aber dafür konnte ich ja noch unsere Auszubildende fragen, die das Gespräch angenommen hatte. Aber Steffi hatte auch nicht mehr verstanden. Also waren wir gespannt ob da nun ein Mann oder eine Frau kommen würde. Es kam eine junge Frau. Aber da man in einem dreiwöchigen Schülerpraktikum ja nicht unbedingt auf Kunden losgelassen wird, war ich trotzdem voller Hoffnung.

    Drei Tage vor dem Praktikum kam ein Anruf, dass unsere neue Mitarbeiterin wegen eines Besuchs beim Jugendamt etwas später kommen würde. Wir fangen bekanntlich ja auch schon zu nachtschlafender Zeit um 10.30 Uhr an. Nach ausbeuterischen sechs Arbeitsstunden ist der Tag für Schülerpraktikantinnen dann grundsätzlich wieder vorbei. So ein Praktikum soll einem ja zeigen wie das später im Beruf sein wird, aber man muss ja nicht gleich mit mehr als sechs Stunden übertreiben.

    Wenn der erste Tag dann erst um eins beginnt geht es natürlich noch schneller. Bis man dann mal verstanden hat, von welcher Seite Passepartouts geklebt werden, ist der Tag schon wieder rum. Es kam auch noch ein zweiter Tag mit Arbeit, an dem sogar schon die betreuende Lehrerin bei uns aufschlug. Das war erst das zweite Mal in all den Jahren, in dem ich überhaupt eine Lehrerin zu Gesicht bekommen hatte. Die wies dann die Praktikantin auf die Krankheitsregelungen – „Schule und Betrieb informieren!“ – hin. Ich dachte mir noch, dass das für ein Schülerpraktikum ja reichlich übertrieben wäre, aber da wusste ich noch nicht, dass ich die Lehrerin fast öfter als die Praktikantin sehen sollte.

    Zwei Tage Arbeit am Stück waren dann doch zuviel. Am dritten Tag half dann nur noch die Krankheit. Diese 2:1-Quote war aber leider nicht weiter einzuhalten. Der erste Tag war telefonisch entschuldigt, wie lange diese Ausfälle dauerten war dagegen immer unklar. In der Zwischenzeit stellte sich eine andere Bewerberin vor. Sympathisch, aufgeschlossen und von mir dann auf den Dezember vertröstet.

    Irgendwann kam die Praktikantin eins dann wieder um sich dann mal mit der Lehrerin hier vor Ort zu streiten. Donnerstags kam sie dann zu spät, freitags ging sie dann früher von wegen Termin beim Jugendamt. Von 10.30 bis 12.00 Uhr ist ja auch schon ziemlich anstrengend. Später kam dann wieder ein Anruf mit einer Entschuldigung in der dritten Person. Aber am letzten Tag stand sie dann wieder hier zum Arbeiten. Ich habe sie dann sofort nach Hause geschickt. Im Zeugnis standen 15 Tage Praktikum, 10 Fehltage, davon 5 unentschuldigt.

    Ok. Einmal muss es ja schief gehen. Aber am Montag kam ja schon die nächste Praktikantin. Sogar schon mit Schulabschluss. Wie sich heraus stellen sollte, wollte Sie sich bei uns aus ihrer Lethargie und den Monaten des Nichtstuns befreien und wieder Anschluss ans Berufsleben zu finden. Vielleicht war es ja ein Fehler, so jemand gleich auf einen Achtstundentag zu verpflichten. Denn ab Tag zwei ward sie nicht mehr gesehen.

    Ich nehm’ jetzt morgen erst mal meinen sechsjährigen Sohn mit zur Arbeit. Zwar nur für ein paar Stunden und wegen der etwas schwierigen Betreuungssituation zu Beginn der Weihnachtsferien, aber in Sachen Arbeitsethos hat selbst der einen kaum einzuholenden Vorsprung. Praktikanten nehmen wir natürlich auch noch.

    Der Anrufbeantworter

    Von Andreas Kesberger am 01.12.2009 0 Kommentare
    Kategorien: Ausstellungen, Laden Berlin

    Es ist wohl mal an der Zeit sich modernen Kommunikationsmethoden zu widmen. Fangen wir mal mit dem Anrufbeantworter an. Der hat den Vorteil, auch sonntags bereit zu stehen, um Kundenwünsche aufzuzeichnen. Seit dem Verfassungsgerichtsurteil von heute und der Einschränkung des Sonntagsverkaufs wird er das in Zukunft wohl auch anderswo wieder öfter tun.

    Aber zitieren wir einfach mal unseren AB vom vorletzten Sonntag:

    19:36 Uhr

    »… ja ich wollt mal wissen….«

    Dazu muss man auch wissen, dass wir im November erstmals zusätzlich zu unseren normalen Ausstellungen eine vom amerikanischen Hersteller Kolo organisierte Ausstellung mit von Künstlern zum Thema Berlin gestalteten Fotoalben zeigten und inzwischen bis zum 15. Dezember verlängert haben. Zu dieser Ausstellung gibt es auch einen kleinen Flyer, auf dem alle beteiligten Ausstellungsorte aufgeführt sind.

    19:54 Uhr

    »Also eins muss ich euch mal sagen. Ich find es total beschissen ja, total beschissen. Ich möchte jetzt gerne mal wissen wann die Ausstellung läuft, ja! Also ich wollte am 30. November mit einem Gast aus Brüssel kommen und ich kann überhaupt nicht erfahren, wann Monochrom auf hat, wann Leporello auf hat, wann Hauptsache auf hat, wann auf Aarven auf hat, wann Sieben Wünsche auf hat. Es ist eine scheiß blöde Werbung kann ich nur sagen. Dankeschön.«

    Ehrlich gesagt fragen wir uns zwar immer noch wie es den Besuchern am Eröffnungstag gelungen ist, unsere Sanitäranlagen in Zustand einer Großschlachterei kurz vor Schichtende zu versetzen, aber die nette Frauenstimme scheint ja damit offensichtlich nichts zu tun zu haben.

    19:57 Uhr

    »Also eins muss ich euch mal lassen. Es ist nicht zu fassen ja, dass man niemanden erreicht. Ich wollte jetzt wirklich ´ne Tour am 30.11. organisieren für einen Gast aus aus Brüssel. … Hab ich nicht geschafft,… weil ich nicht weiß wann irgendwelche blöden Agenturen auf haben. Ähh… Ja. Es tut mir Leid. Also das ist echt ätzend hier euer Flyer ja. Vom 9. bis 30. ….aber es sind keine Öffnungszeiten da. Also ihr könnt mich gern anrufen,wenn ihr meine Rückrufnummer seht, aber ansonsten ist das absolute Scheiße was ihr macht. ABSOLUTE SCHEISSE! SCHEISSE!!!«

    Hier bricht die Aufzeichnung leider mit wildem Geschrei ab. Was ich vielleicht noch erwähnen sollte, dass der Spruch auf unserem Anrufbeantworter so beginnt:

    »Monochrom-Berlin. Guten Tag. Unsere Geschäftszeiten lauten montags bis freitags von 10.30 bis 19.30 Uhr, sowie samstags von 10.30 bis 18.00 Uhr…«

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