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    Der Anrufbeantworter

    Von Andreas Kesberger am 01.12.2009 0 Kommentare
    Kategorien: Ausstellungen, Laden Berlin

    Es ist wohl mal an der Zeit sich modernen Kommunikationsmethoden zu widmen. Fangen wir mal mit dem Anrufbeantworter an. Der hat den Vorteil, auch sonntags bereit zu stehen, um Kundenwünsche aufzuzeichnen. Seit dem Verfassungsgerichtsurteil von heute und der Einschränkung des Sonntagsverkaufs wird er das in Zukunft wohl auch anderswo wieder öfter tun.

    Aber zitieren wir einfach mal unseren AB vom vorletzten Sonntag:

    19:36 Uhr

    »… ja ich wollt mal wissen….«

    Dazu muss man auch wissen, dass wir im November erstmals zusätzlich zu unseren normalen Ausstellungen eine vom amerikanischen Hersteller Kolo organisierte Ausstellung mit von Künstlern zum Thema Berlin gestalteten Fotoalben zeigten und inzwischen bis zum 15. Dezember verlängert haben. Zu dieser Ausstellung gibt es auch einen kleinen Flyer, auf dem alle beteiligten Ausstellungsorte aufgeführt sind.

    19:54 Uhr

    »Also eins muss ich euch mal sagen. Ich find es total beschissen ja, total beschissen. Ich möchte jetzt gerne mal wissen wann die Ausstellung läuft, ja! Also ich wollte am 30. November mit einem Gast aus Brüssel kommen und ich kann überhaupt nicht erfahren, wann Monochrom auf hat, wann Leporello auf hat, wann Hauptsache auf hat, wann auf Aarven auf hat, wann Sieben Wünsche auf hat. Es ist eine scheiß blöde Werbung kann ich nur sagen. Dankeschön.«

    Ehrlich gesagt fragen wir uns zwar immer noch wie es den Besuchern am Eröffnungstag gelungen ist, unsere Sanitäranlagen in Zustand einer Großschlachterei kurz vor Schichtende zu versetzen, aber die nette Frauenstimme scheint ja damit offensichtlich nichts zu tun zu haben.

    19:57 Uhr

    »Also eins muss ich euch mal lassen. Es ist nicht zu fassen ja, dass man niemanden erreicht. Ich wollte jetzt wirklich ´ne Tour am 30.11. organisieren für einen Gast aus aus Brüssel. … Hab ich nicht geschafft,… weil ich nicht weiß wann irgendwelche blöden Agenturen auf haben. Ähh… Ja. Es tut mir Leid. Also das ist echt ätzend hier euer Flyer ja. Vom 9. bis 30. ….aber es sind keine Öffnungszeiten da. Also ihr könnt mich gern anrufen,wenn ihr meine Rückrufnummer seht, aber ansonsten ist das absolute Scheiße was ihr macht. ABSOLUTE SCHEISSE! SCHEISSE!!!«

    Hier bricht die Aufzeichnung leider mit wildem Geschrei ab. Was ich vielleicht noch erwähnen sollte, dass der Spruch auf unserem Anrufbeantworter so beginnt:

    »Monochrom-Berlin. Guten Tag. Unsere Geschäftszeiten lauten montags bis freitags von 10.30 bis 19.30 Uhr, sowie samstags von 10.30 bis 18.00 Uhr…«

    Hier kommt Alex

    Von Andreas Kesberger am 16.03.2009 2 Kommentare
    Kategorien: Ausstellungen, Laden Berlin

    Man gibt es nicht gerne zu. Ist ja verpönt. Es kann schon auch Spaß machen, über Technik zu diskutieren, ganz wurscht ob es dann eher zum Schwadronieren wird. Vermutlich würden wir ohne das ganze Geraune drumherum heute immer noch mit Steinheil Objektiven auf Glasplatten fotografieren. Anstatt dem entschiedenen »Kann ich mal gucken?« mit dem Kinder heute auf die Kamera nach dem Klick zulaufen, gäbe es nur ein entsetztes »Papa, musst Du schon wieder das Dunkelkammerzelt aufbauen?«. Muss Papa nicht mehr. Auch schön.

    Wahrscheinlich war das im 19. Jahrhundert nicht anders. Die einen testeten Tag und Nacht Entwicklerkombinationen, die anderen fotografierten. Die einen hatten danach ein Foto, die anderen wussten zumindest wie sie eins hätten optimal machen könnten. Wir finden zwar nach wie vor, dass eine Gesamtansicht des Kölner Doms mit einem Handy nicht so wahnsinnig viel Sinn macht, wenn als Ergebnis ein gerahmtes Bild herauskommen soll, aber sehr, sehr oft ist die Technik völlig nebensächlich. Es geht ums richtige Sehen und es geht noch viel mehr ums Machen. Die Konsequenz. Angesichts einer Ansel Adams Ausstellung kann man sich vielleicht noch herausreden, dass die 8×10″ zu schwer für den Flieger war, aber bei der aktuellen Ausstellung bei uns kann man das nicht mehr.

    Christian Reister hat »ALEX« ganz banal mit einer Kompaktkamera fotografiert. Immer und immer wieder. Auch der Ort ist alles andere als besonders einfallsreich. Der Alexanderplatz. Nicht schon wieder. Gähnen im Auditorium. Fragende Gesichter bei den Kollegen. Nur mit der Knipse. Nicht mal RAWs. Aber dann hängen die Bilder an der Wand und es funktioniert. Heraus kommt ein Bild von Berlin im Jahre 20 nach dem Mauerfall, das vielleicht realistischer ist als alles andere was wir noch bis zum November sehen werden. Es steht zumindest zu befürchten.

    Natürlich sieht man den Bildern den professionellen Hintergrund des Fotografen trotzdem an. Die Farbstimmung ist bei den Urlaubsbildern meiner Mama eben nicht so einheitlich. Sie würde bestimmt auch kein Korn drüberlegen. Womit wir spätestens jetzt das zweite Igittigitt der Puristen ausgelöst haben. Aber am allerwichtigsten bleibt die Konsequenz. Dieses am Thema dran bleiben. Auch wenn es weh tut. Es lohnt sich. Im Alex’chen Sinne: Na denn prost!

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