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    Wer wird den gleich (Photo-) schwarz sehen?

    Von Andreas Kesberger am 08.02.2009 0 Kommentare
    Kategorien: Allgemein, Laden Berlin, Verarbeitung

    Der Epson 7900

    Wir sagen es mal sicherheitshalber vorher. Wir drucken fast ausschließlich und mit ehrlicher Begeisterung mit Epson Druckern. Erst recht, seit wir auch einen Canon Large Format Printer haben. Und daher verkaufen wir auch mit der gleichen Begeisterung Epson Drucker. Das werden wir in Zukunft auch tun. Aber manchmal kann auch ein ganz normaler Drucker soviel Nerven wie ein Niagara System kosten.

    Wenn man in Sachen Papier und Tinte an der FineArtPrinting-Front aktiv ist, dann gehört dazu auch modernste Technik. Das modernste vom modernsten ist derzeit der Epson 7900. Auf der Drupa im Mai 2008 war er schon fertig genug, um gezeigt zu werden, auf der Photokina sah er dann schon richtig nach Serie aus. Und das Epson auch richtige Photoingenieurinnen mit Ahnung statt orientierungsloser Hostessen an die Geräte stellte – nochmal danke für’s Zeigen und viele Grüße nach Frankreich -, gab Hoffnung, dass man es in Japan und Meerbusch richtig ernst mit der Kiste meint. Nur der Liefertermin schwebte noch leicht im Ungewissen. Also haben wir vorbestellt, November gehört und Januar geglaubt. Dabei ist Vorbestellen gar nicht so einfach, wenn man gar nicht weiß was ein Gerät kostet. Aber es soll ja Autohersteller geben wo das genauso läuft. Oder lief. Damals vor der Krise.

    Doch dann ging es plötzlich ganz schnell im November. “Sie kommen heute”. Dann noch mal schnell bestätigt, dass wir die Version mit dem eingebauten Farbmesssystem wollen. Freitags um 17.00 Uhr auf die AB geguckt. Es war natürlich die Version ohne. Haben Sie schon mal freitags um 17.00 Uhr versucht, einen automatisierten Ablauf in einem deutschen Unternehmen zu stoppen? Eben. Es gibt ja Stimmen, die behaupten, das wäre in deutschen Verwaltungen am gleichen Wochentag um 13 Uhr noch schwieriger. Für die nicht eingeweihten: das ist ein Drucker, den man lieber zu viert als zu dritt trägt. Für den noch größeren 11880 hatte eine Epson Landesvertretung seinerzeit sogar eine Bedienungsanleitung für das Treppe-Hochtragen publiziert. Doch an das Treppe Hochtragen war bei uns noch nicht zu denken. Der Spediteur konnte seine Palette wieder mitnehmen. Natürlich garniert mit entsprechend begeistertem Gesichtsausdruck. Der Distri schickte den zweiten Drucker mit “Meschertuhl” auf die Reise und wir waren’s zufrieden.

    Theoretisch. Ausgepackt, hochgeschleppt, aufgestellt. Wenn man selbst Händler ist, kann man ja nicht den Einrichtungsservice des Händlers in Anspruch nehmen. Eigentlich schade. Wobei man, wenn man so viele 3800 und R2880 wie wir verkauft und das weiter möchte, ist es bei der seltsamen Epson-Eingruppierung gar nicht möglich den 7900 mit Installationsservice anzubieten, da wir dann jeden 3800 mit dem gleichen Service anbieten müssten, um weiter einen Rabatt zu erhalten. Das versteh’ wer will und ist vielleicht mal Thema für einen eigenen Blog oder vielleicht für eine Änderung in Meerbusch im neuen Geschäftsjahr. Egal. Selbst ist der Mann oder die Druckingenieurin. Wir haben in unserem Leben ja schon den ein oder anderen Drucker installiert. Start. Warnung: “Schalten Sie den Drucker nicht aus, während die Zuleitung beginnt” Aber wann beginnt die Zuleitung? Die Patronen sind drin. Die Kiste ist an. Aber es passiert erst mal nicht viel. Aber doch zumindest soviel, dass wir uns ab jetzt nicht mehr trauen, ihn auszuschalten. Für die nächsten fünf Wochen.

    Das Display zeigt nämlich Cartridge Error und unten rechts steht »Photo Black«. Das haben wir sehr lange nicht mehr gelesen, aber kennen es doch noch von früher. Normalerweise tauscht man dann einfach die Patrone und los geht’s. Hier geht erst einmal gar nichts los, da der Drucker vermutlich der erste seiner Art in Berlin ist und weder wir wir noch die lieben Kollegen auch nur das kleinste Tröpfchen Tinte dazu am Lager haben. Aber da der 7900 der erste Epson-Printer in unserem Besitz ist, der nicht mit vollen Patronen ausgeliefert wird – wär’ ja auch total unfair gegenüber dem 7880 -, bestellen wir auch gleich brav einen ersten vollen Satz. Der ist welch Wunder sogar lieferbar. Also die Schwarzpatrone ausgetauscht und los? Nö. Nix los. Für was hat man da den Epson VorOrt-Service. Der weiß auch nicht wirklich weiter. »Haben Sie vielleicht die Matte Black statt der Photo Black eingesetzt?« Wir dachten zwar eigentlich, dass lesen schon zu den Grundvoraussetzungen der Druckerbedienung gehört, aber das sieht man an der Hotline wohl anders. Vor allem wenn man die Drucker selbst nur vom Lesen kennt. Zur allgemeinen Verständigung malen wir sogar das Display ab, was zum einen zugegebenermaßen etwas anachronistisch ist (wir wollen ja gerade drucken um nicht malen zu müssen) und zum anderen im weiteren Verlauf noch wichtig wird. Wir kriegen einen Rückruf versprochen. Und nochmal und nochmal. Wir sind ja auch nicht immer leicht zu erreichen. Nach einer Woche beschließt der Epson Helfer vom VorOrtService dann, dass es der Abtaster oder wie auch immer das Ding heißt für den Chip auf der Patrone sein muss. Das Ersatzteil muss er aber erst bestellen. Japan ist weit.

    In der Zwischenzeit schaltet sich unser zuständiger Epson-Vertreter noch ein. Mittlerweile hat man wohl ein paar mehr Menschen mit nicht druckenden 7900ern am Telefon gehabt und da hätte immer schütteln geholfen. Ähem, was bitte? Die Patrone oder den Drucker? Dass Pigment-Tinten vor dem Einsetzen in einem quasi-religiösen Regentanz geschüttelt werden wollen, hat sich zu uns schon herumgesprochen. Um den Drucker zu schütteln, fehlen uns aber die Muckis. Doch soll keiner sagen, wir wären nicht kooperativ. Also geschüttelt, nicht gerührt und eingesetzt. Und nix. Also zwei Wochen warten auf’s Ersatzteil. Termin absprechen und vier Tage vor Weihnachten ist der Drucker Heilmacher dann da. Kommt aber auch erst mal nicht weiter und telefoniert mit dem Service. Doch dann schleicht sich langsam der Zweifel ein, warum denn die Gelb-Patrone grau unterlegt ist (»Haben Sie das Display denn auch farbig abgemalt?«). Die Angabe »Photo Black« beschreibt nämlich nur den Modus in dem der Drucker arbeitet. Das muss man erst mal wissen. Wie er jetzt auf nicht erkannte grau Patronen hinweist, wissen wir immer nicht und wollen es erst einmal auch nicht wissen.

    Der Rest ist einfach. Der Chip der ersten Gelb-Patrone war defekt und mit der zweiten ging es dann. »Wieviel haben Sie denn schon damit gedruckt?« Der arme Mensch schaut nur in fassungslose Gesichter. Nichts! Seit fünf Wochen. »Dafür sind sie aber noch erstaunlich gelassen.« Es geht doch nichts über ein gutes Betriebsklima. »Normalerweise merkt man an der Stimmung vor Ort eigentlich ganz schnell wie lange der Drucker schon steht.« Es kann nur besser werden.

    Und seitdem wurde es besser. Mittlerweile druckt er wie am Schnürchen. Daher wagen wir dann auch am Samstag, 28. Februar bei uns in Berlin die Vorstellung mit einem Epson Demotag. Was taugt der SpectroProofer? Ist der Farbraum wirklich größer? Löst der neue Druckkopf wirklich besser auf? Eben Antworten auf all die Fragen, um die man sich kümmern kann, wenn ein Drucker erst mal druckt. Und mit 700 ml Tintentanks hört er auch so schnell nicht wieder auf. Schließlich spritzt hier voll bestückt die 84fache Tintenmenge eines R2880. Womit dann hiermit unser Printservice auch feierlich auf Formate wie 60×90 cm erweitert ist.

    Der Strahl

    Von Andreas Kesberger am 16.11.2008 0 Kommentare
    Kategorien: Allgemein, Verarbeitung

    Das Wesen der Gattungsbezeichnung in einer Fotoausstellung treibt meistens sein Unwesen. Während der Künstler sich an der Wand austobt, kann der Kurator wenigstens beim Titelschildchen seiner Kreativität freien Lauf lassen. So wie Fotografen sich untereinander unterhalten, falls sie denn Schalter für das Rotlicht noch kennen, würden sie nie untertiteln. Statt „Baryt“ oder „PE“ steht dann doch lieber „Silbergelatineprint“ unter der Fotografie. Da viel meistens viel hilft, arbeitet man auch gerne mit „Bromsilbergelatine“, ohne sich groß zu fragen ob da jetzt wirklich Brom für Ruhm sorgt oder doch Chlor oder letztlich eigentlich nur das Silber. Hmh, wir wissen es nicht und der Fotograf weiß es meistens noch weniger. Das ist alles oft ärgerlich und nicht neu. Doch seit der Triennale der Photographie in Hamburg im Frühjahr hat uns das fotografisch so traditionsreiche Museum für Kunst und Gewerbe bei einer Ausstellung von Karin Székessy unsere noch immer bestehende Lieblingsgattung beschehrt. An die „richtig schönen“ Fotos, Akte, Stillleben, Landschaften und Portraits, die sich eine liebhabende – eben amateurhafte im positiven Wortsinn – Begeisterung an der Fotografie erhalten haben, können wir uns kaum noch erinnern. Doch an das was unter den Bildern stand schon. Denn ab dem dritten Bild wurde der Betrachter von der Gattung in den Bann gezogen. Da stand auf dem Schildchen schlicht „Tintenstrahl“. Kein Druck, kein Print, kein Papier, schon gar kein Foto. Ein Strahl. Ein Tintenstrahl. Von wo er kommt und wo er endet? Wir wissen es nicht. Ist das nicht nah am Menschheitsstraum, nicht nur mit Licht zu schreiben, sondern gleich einen Sonnenstrahl einzufangen. Mit Tinte geht das wohl. Und da es ja nur dieser eine Strahl ist, kann er im Lauf seines Seins auch noch die Farbe ändern und schon ist er Bild geworden, der Tintenstrahl. Und so strahlt der Betrachter denn auch. Doch die Ausstellung bot noch mehr Innovationen, wie große Tableaus, die da „Tintenstrahl auf Textil“ waren. Sein sollten. Demnächst dann vielleicht auch „Sonnenstrahl auf Jeansjacke“ oder gleich „Rotweinfleck auf Tischdecke“. Aber das ist dann wohl ein anderes Thema. Die daneben hängenden Fotografien waren dagegen nur „Silbergelatine“, dabei könnten sie doch auch Emulsionsguss sein. Genau wie der bunte Nachbar, aber der ist dann plötzlich ein „Colorprint“, natürlich ohne etwas mit Druck zu tun zu haben. Das haben schließlich schon die „Lichtdrucke“ und wunderschönen „Heliogravuren“, die wir selbst dann auch nicht anders bezeichnet hätten. Und schon traf uns wieder der „Tintenstrahl“. Als Sammler hätte uns natürlich interessiert ob dieser aus Strahl aus Pigmenten oder Farbstoffen besteht. Da Restauratoren schon seit langem fordern, dass Künstler gerade bei digitalen Medien ihre Arbeiten genaustens dokumentieren, könnten sich die Museen im Zuge dieser Entwicklung vielleicht dann doch auf einheitliche Verfahrens- und Materialbeschreibungen einigen. Aber im Vergleich zu „Mit Epson 4800 und K3-Ultrachrome-Tinte auf Monoprint Arles Plus gedruckter Inkjet Piezo-Pigment-Print“ klingt „Tintenstrahl“ dann doch poetischer. Wenn er einen und es dann trifft.

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